Markus Haastert Versorgung in Stadt und Land

Ernährung als Innovationsmotor der städtebaulichen Zukunft

Mein Artikel zum Thema Wissenschaftsjahr 2015 | (Selbst-) Versorgung in Stadt und Land

Unsere wachsenden Städte haben ein Flächenproblem. Mitunter ist dies der Zersiedlung durch sogenannte Abstandserlasse geschuldet: Arbeiten, Wohnen und Leben werden voneinander getrennt, Licht-, Lärm- und/oder Schadstoffemissionen werden über die Stadt verteilt. Es besteht kein integrativer Bezug mehr – und schon gar kein Innovationsdruck in Richtung Umweltfreundlichkeit und Gesundheit. Dabei war die Erfindung der Kreuzberger Mischung in der Gründerzeit, die nicht nur den gebauten Raum in den Fokus rückt, sondern auch seine sozialen Funktionen wie z.B. Wohnen, Arbeiten, Bildung, Kultur, Freizeit und Erholung räumlich integriert, eine der maßgeblichen Stadtentwicklungen Berlins. Um die knappen Flächenressourcen von West-Berlin (zu Zeiten der Mauer) optimaler auszunutzen, gab es Förderprogramme wie die “Stapelung von Betrieben“ – so wurden Arbeiten, Leben und Wohnen als ein lebenswertes Gesamtsystem gestaltet.

TopFarmers entwickelt mit seiner speziellen Aquaponiktechnologie eine neue Methode des Urbanen Farming – und liefert gleichzeitig einen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung und der optimalen Ausnutzung von Flächen. Ziel ist es, gesunde Lebensmittel wie Gemüse oder Fisch zu erzeugen,
dabei brachliegende Flächen wie z.B. Dächer optimal zu nutzen und dank eines Maximums an Nachhaltigkeit in Wohngebiete integrierbar zu sein. Dies alles erfolgt unter den Gesichtspunkten der Blue Economy: Abfälle eines Prozesses werden als Ressourcen für ein neue Produkte genutzt. So wird bei TopFarmers aus den Ausscheidungen von Fischen, die in der Anlage produziert werden, Dünger für die Pflanzen, die wiederum Gemüse und Obst produzieren. Die Pflanzen sind gleichzeitig der Reinigungsfilter für die Fische. Ein in sich geschlossener Kreislauf, der sich selbst auf natürliche Weise reguliert.

Mit dieser Art der Nahrungsmittelproduktion in der Stadt ermöglichen wir, dass Landwirtschaft wieder einen neuen Stellenwert im Bewusstsein der Gesellschaft bekommt. Hohe Qualität, transparente Produktion und kurze Transportwege sind hier nur einige zu nennende Merkmale. Technologische Innovationen ermöglichen ein hohes Maß an energetischer Autarkie und „Null-Emissions Strategie“ bzw. Emissionsfreiheit, so dass der Städtebau in bestehenden Strukturen wie beim Neubau wieder eine nachhaltige Mischnutzung zulassen kann.

Dies ist uns mit unserer ersten Pilotanlage gelungen, die ein wirtschaftliches Aquaponiksystem zur Produktion von Fisch, tropischem Obst und Gemüse mit konsequentem Bildungsansatz und nachhaltigen Innovationen verbindet, und wird jetzt auf die Strukturen von Berliner Immobilien übertragen. Unsere produktionstechnischen Prozesse können auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wohnen oder anderen „schutzwürdigen Nutzungen“ positioniert werden. Hier kann Wohnen, Leben, und Arbeiten wieder in Einklang gelangen. Statt Trennung der urbanen Funktionen Schlafstadt, Industrie- /Gewerbegebiet, Erholung und dazwischen der Verkehr erzeugen wir eine Funktionsmischung und mehrfachen Nutzen für die Menschen in der Stadt der Zukunft.

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